US-Fluglinien sind so schlecht wie nie so der Spiegel
Die Zuverlässigkeit der US-Fluggesellschaften ist auf einen Tiefpunkt gesunken: Laut einer Studie verspätete sich im vergangenen Jahr mehr als jeder vierte Flug, pro 1000 Passagiere verschwanden sieben Koffer. Im Ranking schnitten ausgerechnet Billig-Airlines am besten ab.
Washington – Verspätete und ausgefallene Flüge, verschwundene Koffer, überbuchte Maschinen: Das vergangene Jahr war das schlimmste Jahr für die US-Fluglinien. Dies ist das Ergebnis des aktuellen Fluglinien-Rankings der Luftfahrtinstitute der Universitäten Nebraska und Wichita, die am Montag vorgestellt wurde.
Flugzeuge des Lufthansa-Partners JetBlue: Im US-Fluglinien-Ranking weit vorn
Pro 1000 Passagiere gingen durchschnittlich sieben Gepäckstücke verloren, nach 6,5 im Vorjahr. Die Zahl der Passagiere, die wegen überbuchter Flugzeuge unfreiwillig am Boden blieben, stieg um 13 Prozent. Die Pünktlichkeit verschlechterte sich im fünften Jahr in Folge: Mehr als ein Viertel der Flüge war verspätet.
Beim Schlusslicht des Qualitäts-Rankings, Atlantic Southeast Airlines, erreichten gar nur knapp zwei Drittel der Maschinen planmäßig ihr Ziel. Am besten schnitten noch die drei Billigfluglinien AirTran, Lufthansa-Partner JetBlue und Southwest ab, die die großen Airlines wie Delta und United in der Kundenzufriedenheit abhängten.
Deutlich mehr Kundenbeschwerden
Die Zahl der Beschwerden stieg um 60 Prozent, die meisten gingen bei US Airways ein, die wenigsten bei Southwest. Mehr als ein Drittel der unzufriedenen Kunden ärgerten sich über Probleme mit ihren Flügen, ein Fünftel meldete sich wegen verlorengegangenen, beschädigten oder gestohlenen Gepäcks. Elf Prozent machten ihrem Ärger über schlechten Service Luft.
Viele Airlines haben wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten Arbeitsplätze abgebaut und sich neue Einnahmequellen erschlossen: Gebühren für den zweiten Koffer beim Einchecken, für den Transport von Haustieren oder für die Buchung am Telefon. Die Qualitätskennzahl sank insgesamt auf minus 2,16 – das war der tiefste Wert seit Beginn der jährlichen Untersuchung 1991.
Millionenstrafen wegen Sicherheitsmängeln
Die Branche kämpft derzeit auch mit Sicherheitsproblemen: American Airlines, Southwest, Delta und United mussten in jüngster Zeit Flüge absagen, um Sicherheitsüberprüfungen an ihren Maschinen durchzuführen. Im vergangenen Monat verhängte die Luftfahrtbehörde FAA ein Strafe in Höhe von 10,2 Millionen Dollar (6,5 Millionen Euro) gegen Southwest, weil die Fluglinie Sicherheitsinspektionen verpasste und dennoch mit einigen der betroffenen Jets Passagiere transportierte.
Steigende Kerosinpreise und die sich verschlechternde Konjunktur in den USA machen der Branche zu schaffen. Drei kleinere Fluggesellschaften – ATA, Aloha Airlines und Skybus – stellten ihren Betrieb wegen finanzieller Schwierigkeiten in der vergangenen Woche ein. Zwei Schwergewichte der amerikanischen Luftfahrtindustrie – Delta und Northwest – prüfen eine Fusion.
Der Internationale Luftverkehrsverband IATA senkte Anfang des Monats seine Gewinnprognose: Demnach wird die Branche in diesem Jahr weltweit nur noch 4,5 Milliarden Dollar (2,9 Milliarden Euro) verdienen, 3,3 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro) weniger als zuletzt erwartet. Die größten Gewinneinbußen müssten die Airlines in Nordamerika und Europa hinnehmen.


